Mailied

J. Kalliwoda

Was ist das nur für Lust und Schall,

wie regt, wie treibt sich's überall,

welch Leben hat begonnen.

Das arme Herz ist übervoll,

und weiß nicht wie sich's fassen soll

in süßen tausend Wonnen.

Mein Herz ist wie ein Garten grün,

da wollen tausend Blumen blüh'n,

und sind noch halb in Träumen,

mein Herz ist wie des Bächleins Lauf,

und hüpft in tausend Wellen auf,

und will gar überschäumen.

Mein Herz ist wie die leise Luft

durchschauert und voll tausend Duft

und will sich selbst entschwinden,

mein Herz ist wie die Vögelein,

und hascht nach tausend Melodei'n,

und prüft und kann's nicht finden.

Mein Herz ist selbst der ganze Mai,

so süß, so still, so voll, so neu,

so lüstern nach Gesange.

Und sehnt und hüpft und quillt und blüht,

und zwitschert sich dies kleine Lied

in seines Glückes Drange.