Waldhornklang
J. Kniese
Es tönt ein Hörnlein durch die Nacht,
Deß lauscht umher der Waldesraum;
Mir ist in stiller Brust erwacht
Aus alter Zeit ein süßer Traum, --
Der Traum von einem Schloß am See;
Der Nachen schwamm im Mondenschein,
Die Laute klang, es saß die Fee
Im Rosenhag und harrte mein.
Sie sang an meine Brust gelehnt:
O nimm und gib im selgen Kuß --
Nimm Alles was dein Herz ersehnt
Um Alles was es lösen muß.
Sie nahm dahin -- das schöne Weib --
Der Jugend Blüthe, Lust und Glück,
Sie nahm mir Seele hin und Leib
Und ließ mir nur den Traum zurück,
Den Traum, der meine Thränen nun
Mit süßen Bildern weckt und söhnt,
Wenn rings die dunkeln Lande ruhn
Und durch die Nacht ein Waldhorn tönt.