Geistliches Lied
J. Krall
Wenn dich in dunklen Tagen
Geheimer Kummer drückt,
Und unter stillen Klagen
Dein Auge aufwärts blickt;
Wenn dann kein Licht hernieder
In deine Seele fällt:
So zage nicht, du Müder,
Dein Gott regiert die Welt.
Er hat auch deinen Leiden
Ein weises Ziel bestimmt;
Sie wandeln sich in Freuden,
Wann er dich zu sich nimmt.
Dann lernst du heller sehen,
Was hier dem Blick entschwand,
Schaust von entwölkten Höhen
Auf dieses Prüfungsland.
Dann sind die Finsternisse
Durch Gottes Licht zerstreut,
Die Weisheit seiner Schlüsse
Entdeckt die Ewigkeit;
Dann fließt die Freudenzähre,
Dann tönt dein froher Dank,
Der Erde Schmach wird Ehre,
Die Klage Lobgesang.
Vollbracht ist Gott zum Preise
Dein kurzer Lebenslauf,
Du wurdest klug und weise,
Drum nahm der Herr dich auf.
Nun schwinden dir die Freuden
Bewährter Tugend nie,
Gott prüfte sie durch Leiden,
Und nun belohnt er sie.
Dies hemme deine Sorgen,
Erleuchte deine Nacht
Und zeige dir den Morgen,
Der einst dich fröhlich macht.
Dies lehre mit Vertrauen
Auf Gott, den Herrn der Welt,
Dich dann nach aufwärts schauen,
Wenn ganz dein Glück zerfällt.
So sammle denn im Stillen
Den Trost der Vorsicht ein;
Ihr Rath wird sich enthüllen,
Ihr Licht wird dich erfreu'n.
Du segnest einst die Pfade
Auf denen Gott dich führt
Und dankest seiner Gnade,
Die deinen Lauf regiert.