Abschied vom See

J. Lang

Lebt wohl, ihr lieben Hügel,

Leb wohl, du stiller Strand,

Wo auf der Freude Flügel

Die Zeit mir selig schwand!

Lebt wohl, ihr leisen Wogen,

Leb wohl, du stille Fluth,

Die ich mit Lust durchzogen

Und heißer Liebesglut!

Wie einst vom Mutterherzen

Mich scheiden sah die Zeit,

Sieht sie mit stillen Schmerzen

Von hier mich scheiden heut!

Es ist dasselbe Sehnen,

Das meine Brust verschließt,

Es sind dieselben Thränen,

Die Wehmuth hier vergießt.

So gerne möcht' ich weilen

Im stillen Buchenhain,

Und mit den Sängern theilen

Des Herzens Lust und Pein!

Möcht' schaukeln auf den Wellen,

Möcht' wandeln durch die Flur,

Möcht' schöpfen aus den Quellen

Am Busen der Natur!

Den Blumen möcht' ich's sagen,

Wie hart das Scheiden fällt,

Den Bergen möcht' ich's klagen,

Wie schwer der Abschied hält,

Doch stärkendes Vertrauen

Giebt süßes Hoffen mir,

Euch wieder einst zu schauen,

Geliebte Plätzchen hier!

Zwar werd' ich nicht mehr finden

Sie, die mir theuer war,

Und Manches wird verschwinden,

Was jetzt mir Lust gebar;

Doch kehr' ich zu euch wieder,

Bringt mir entschwund'nes Glück,

Im Drange zarter Lieder

Erinnerung zurück! --