Am heiligen Grabe

J. Lang

O Traurigkeit, o Herzeleid!

Ist das denn nicht zu klagen?

Gott des Vaters einigs Kind

wird zum Grab getragen!

O höchstes Gut, unschuldigs Blut!

Wer hätt dies mögen denken,

daß der Mensch sein' Schöpfer sollt

an das Kreuz aufhenken.

O heiße Zähr, fließ immer mehr!

Wen sollt dies nicht bewegen,

weil sich über Christi Tod

auch die Felsen regen.

Wie große Pein, Maria rein,

mußt leiden ohne Maßen,

denn du bist von jedermann

ganz und gar verlassen.

Wie schwer ist doch der Sünder Joch,

weil es tut unterdrücken

Gottes Sohn, als er das Kreuz

trug auf seinem Rücken.

O großer Schmerz! O steinern Herz,

steh ab von deinen Sünden,

wenn du willst nach deinem Tod

Gottes Gnad empfinden.