Auf der Alpe
J. Lang
Wann des Gottes letzter milder
Schimmer sich vom See verlor,
Steigen mir Gedächtnisbilder
Aus der Welle Nacht empor.
Malen mir des Kahnes Schwanken
Den gefurchten Pfad entlang,
Als die Morgenlüfte wanken
Zauberischen Liederklang.
Malen mir von Berges Kuppe
Schweifend den ergötzten Sinn
Und die ländlich schöne Gruppe
Um den Herd der Sennerin.
Malen mir die Felsgehege,
Wo die Alpenrose hangt,
Welche nicht durch Menschenpflege
In des Thales Gärten prangt.
Nächtlich fühl' ich jetzt ein Bangen,
Wann der See gehoben wallt,
Jene Tage sind vergangen,
Jene Stimmen sind verhallt.
Frostige Nebel steigen, welche
Berg und Kuppe trüb' umziehn,
Und die rothen Alpenkelche
Werden mit dem Sommer fliehn.
Bald verjagt von Sturm und Flocken,
Zieht die Hirtin froh in's Tal,
Und es tönt der Hall der Glocken
Von der Höh' zum letztenmal.