Das Paradies

J. Lang

Das Paradies muß schöner seyn

Als jeder Ort auf Erden,

Drum wünscht mein Herz recht bald darein

Recht bald versetzt zu werden.

Im Paradiese muß ein Fluß

Der ew'gen Liebe rinnen,

Und jede Sehnsuchtthräne muß

Seyn eine Perle drinnen.

Im Paradiese muß ein Hauch

Der Schmerzenstillung wehen,

Daß jeder Schmerz, und meiner auch,

Muß aufgelöst vergehen.

Da steht des Friedens kühler Baum

Gepflanzt auf grünen Räumen,

Und drunter muß ein stiller Traum

Von Ruh und Glück sich träumen.

Ein Cherub an der Pforte steht,

Die Welt hinweg zu schrecken,

Daß auch zu mir ihr Hauch nicht geht,

Mich aus dem Traum zu wecken.

Da wird das morsche Schiff, mein Herz,

Geankert ruhn im Hafen,

Das rege Wiegenkindlein Schmerz

Im Busen endlich schlafen.

Für jeden Dorn, der hier mich stach,

Wird sich die Rose finden,

Und Lust, die nie mir Rosen brach,

Wird sie ums Haupt mir winden.

Dort werden alle Freuden blühn,

Die in der Knosp' hier starben,

Und werden wird Ein Frühlingsgrün

Aus allen Todesgarben.

Dort wird, was je mein Herz gesucht,

Mir still entgegentreten,

Vom grünen Zweig als goldne Frucht,

Als helle Blum' aus Beeten.

Die Wünsch' und Hoffnungen der Brust,

Wie Blumen aller Zonen,

Sie werden dort in stiller Lust

Um mich zusammen wohnen.

Die Jugend, die mit Flügelschlag

An mir vorüber rauschte,

Die Liebe, die auf einen Tag

Mit Nektar mich berauschte,

Sie werden, flucht- und flügellos,

Auf ewig mich umscherzen,

Mich halten wie das Kind im Schooß,

Und ihren Liebling herzen.

Und jene Gottheit, deren Licht

Auf mich von fernher thaute,

Und deren klares Angesicht

Ich nur in Träumen schaute,

Die Poesie als Geist der Welt

Wird hell sich mir entschleiern,

Wann hell sich Freimunds Lied gesellt

Dem Chor der Sternenleiern.