Der Herbst

J. Lang

"Raschelt's schon im Laube?

Röthet sich die Traube?

Kommt der Herbst schon an?

Ach wie so beklommen

Fühlt' ich sonst sein Kommen,

Und die Thräne rann!

Soll man alle Freuden

Trunken nun vergeuden

Rasch an einem Tag?

Dann die Blätter fallen,

Und die Nachtigallen

Ruhen aus vom Schlag!

Jetzt in andern Sorgen

Späh ich jeden Morgen,

Herbst, ob du's schon bist?

Wann die Blätter fallen,

Kommt er, der von Allen

Mir der Liebste ist.

Laßt die zarten Hüllen

Euch mit Thränen füllen,

Blumen, sinkt in Staub!

Gluthen meiner Träume,

Färben sie nicht, Bäume,

Euch das dunkle Laub?

Wollt, Korallenbeeren,

Mir vom Herzblut zehren,

Das euch röthen muss?

Trauben, laßt euch ründen,

Himmlisch euch entzünden

Von des Mädchens Kuß!

Herbst, o komm bei Zeiten,

Bunt dein Netz zu breiten,

Helf' ich jubelnd dir.

Raub' dann nach Verlangen,

Bringst du nur gefangen

Meinen Vogel mir!"