Der Wanderer

J. Lang

Gute Nacht mein Leid,

Meine Einsamkeit,

Fahrt wohl ihr geheimen Sorgen

Denn der Morgen wacht

Und die Liebe lacht

Und die Liebe ja wandert am Morgen.

Du verschwiegner Wald,

Grüner Aufenthalt

Meiner Lieder und meiner Träume,

Schreib sie alle ein

In die Blätter dein,

An die lustigen, rauschenden Bäume.

Meine Liebe geht

Zwischen Wald und Beet,

Über Wiesen und Berg' und Wellen.

Fliege mit mir aus,

Du mein ganzes Haus,

Ihr gefiederten kleinen Gesellen,

Was da wandern kann,

Schließe mit sich an,

An mein lustiges Hausgesinde!

Was da liebt hinein

In den Sonnenschein,

All' ihr Fluten, ihr Wolken, ihr Winde!

Wo sie steht und tritt

Immer mit, nur mit,

Mit der Liebe, der Lieb' entgegen!

Immer nah und weit

Sind wir allezeit

Auf bekannten geselligen Wegen.

Wenn sie wallt entlang

An dem Bergeshang,

Schwimmen unten im Strom wir eben,

Wenn sich auf der Flut

Liebe wiegt und ruht,

Zieh'n wir hoch wie die Sterne daneben.

Ohne Rast und Ruh

Nur der Liebe zu,

Und die Liebe muß Sehnsucht fühlen,

Und wir binden sie,

Ach sie weiß nicht wie,

Und sie sucht uns im Grünen, im Kühlen.

Wenn ein Waldhorn ruft

Durch die Abendluft

Fallen Blüten von allen Bäumen.

Alles lauschet sehr:

Ach wohin? woher?

Liebe kann ja nicht schlafen, nur träumen.