Die Schwalben
J. Lang
Der Schnee ist dahin, ist verschwommen,
In's grosse gewaltige Meer.
Die Schwalben sind wieder gekommen,
Sie kamen, ich weiss nicht woher.
Ich weiss nur, sie fanden sich wieder,
Weil Liebe von Liebe nicht lässt,
Und lassen sich häuslich hier nieder,
Denn Liebe baut Liebe das Nest.
Oft, wenn sie von dannen geflogen,
Und nahte die Blumenzeit sich,
So kamen sie wieder gezogen‚
Sie kamen, was kümmert es mich?
Am liebsten noch sah ich sie scheiden,
Weit hin in das wärmere Land,
Ich konnt' ihr Geschwätze nicht leiden,
Wovon ich noch gar nichts verstand.
Oft wenn sie den Schlaf mir vertrieben
Geschah's, daß mein Unmuth sie traf,
Ein Mädchen muß etwas doch lieben;
Es liebet, ach, es liebet den Schlaf.
Doch dießmal wie alte Bekannte,
Begrüßt' ich sie froh und sie mich;
Gewiß wir sind Sinnes Verwandte!
Sie lieben, sie lieben wie ich!
Sie schwatzen und schwärmen und träumen,
Und treiben viel liebenden Scherz
Auf sonnigen Dächern und Bäumen,
Und du, du verstehst sie mein Herz!
Was ewig ein Räthselwort bliebe,
Enträthselt die Zärtlichkeit nur,
Die Schwalbe versteht nur die Liebe,
Die Liebe versteht die Natur.