Die vor Liebe sterbende Maria
J. Lang
Hört, Sionitinnen,
Meine Gespielinnen!
Seht mich mitleidig an,
Saget dem Bräutigam,
Liebe verwunde mich,
Nimmer gesunde ich.
Stützet die wankende
Schmachtend erkrankende;
Bettet auf Düften sie
Kühlet mit Lüften sie:
Denn in mir wälzen sich
Flammen, und schmelzen mich.
Häufet mir labende
Schlummerbegabende
Zweige zusammen auf,
Legt mich in Flammen drauf:
Als Phönix sterb' ich so,
Leben erwerb' ich so.
Ob Lieben Leiden sey,
Ob Leiden Lieben sey,
Weiss ich zu sagen nicht;
Aber ich klage nicht;
Lieblich das Leiden ist,
Wenn Leiden Lieben ist.
Liebe, was quälst du mich?
Besser entseelst du mich.
Zögernde Peinigung
Hemmt die Vereinigung:
Jahr' aus Sekunden hier
Machen die Wunden mir.
Brich aus des Lebens Schooß,
O Seele, strebend los!
Das Feuer eilt hinauf,
Und nimmer weilt im Lauf
Bis an des Himmels Rand;
Dort ist mein Vaterland.