Du bist mir lieb

J. Lang

Du bist mir lieb! Wie jene stille Stunde

-- Der Frühling streifte kaum den Gartenrand --

In der ein Wort, gehaucht von deinem Munde,

Bis über's Grab mein Herz an deines band,

Bist du mir lieb!

Du bist mir lieb, wie meiner Seele Hoffen,

Daß Gott zum Lichte seine Völker lenkt;

So wie mein Glaube, daß in's Herz getroffen

Die alte Nacht schon ihre Flügel senkt,

Bist du mir lieb!

Du bist mir lieb, wie stiller Glanz der Sterne,

Der niedergrüßt in ahnungsvoller Pracht;

Wie meiner Lebenstage heitre Ferne,

Aus der mir reiches Glück entgegen lacht,

Bist du mir lieb!

Du bist mir lieb, wie meines Liedes Tönen,

Wie meines Namens gern vernommner Klang;

Wie die verborgne Thräne, die aus schönen

Jungfrauenaugen lockte mein Gesang,

Bist du mir lieb!

Du bist mir lieb, wie jene Hand voll Erde,

Die bald in Frieden hält mein Herz bedeckt;

So wie er selber, der mir sprach mein "Werde!"

Der mich zu Grabe ruft und wieder weckt,

Bist du mir lieb!