Geistliches Lied

J. Lang

Der du, voll Blut und Wunden,

Für uns am Kreuze starbst,

Und unsern letzten Stunden

Den höchsten Trost erwarbst.

Der du dein theures Leben,

Noch eh ich war, auch mir

Zur Rettung hingegeben,

Mein Heil, wie dank ich dir.

Wie viel hast du erduldet,

Erhabner Menschensohn,

Als du, der nichts verschuldet,

Empfingst der Sünder Lohn!

Da folgte Schmerz auf Schmerzen,

Da traf dich Schmach auf Schmach;

Da lag auf deinem Herzen

Angst, die das Herz dir brach.

Mein Heil, was du erduldet,

War unser aller Last.

Ich, ich hab es verschuldet,

Was du getragen hast.

Sieh gnädig auf mich Armen,

Der Zorn verdienet hat,

Und hilf mir aus Erbarmen

Von meiner Missethat.

Ich will auf dich stets sehen

Mit Glaubenszuversicht.

Wohin sollt' ich sonst gehen?

Verwirf du mich nur nicht!

Wo soll ich Ruhe finden,

Wenn du mich, Herr, nicht liebst?

Wo Reinigung von Sünden,

Wenn du sie mir nicht gibst?

Du hast mir durch dein Leiden

Vergebung, Beßrungskraft,

In Trübsal Trost, und Freuden

Der bessern Welt verschafft.

O gib an dieser Gnade

Auch mir im Glauben Theil;

Und auf des Lebens Pfade

Begleite mich dein Heil!

Mich tröstet einst im Scheiden,

Was du am Kreuz empfandst,

Der du nach so viel Leiden

Für mich auch auferstandst.

Ach, möcht ich einst mein Leben,

Begnadigt, Herr, von dir,

In deine Hände geben,

Wie wohl geschähe mir!

Ich danke dir von Herzen,

Versöhner meiner Schuld,

Für deines Todes Schmerzen,

Für deine treue Huld.

Dir will ich mich ergeben,

Um, mein Erlöser, dein

Im Tode, wie im Leben,

Um ewig dein zu seyn.

Wann ich einmal soll scheiden,

Ach, dann verlaß mich nicht!

In meines Todes Leiden

Sey du mein Trost und Licht!

Wann mir am allerbängsten

Wird um das Herze seyn,

So reiß mich aus den Ängsten

Kraft deiner Angst und Pein!

Erhebe dann mein Hoffen,

Zur bessern Welt zu gehn;

Laß mich den Himmel offen,

Und dich im Geiste sehn!

Dann laß mich, mit Entzücken

Und heilger Sehnsucht voll,

Nach dir, Vollender, blicken!

Wer so stirbt, der stirbt wohl.