Liebesgrüße

J. Lang

Den Jüngling band ein heißer Trieb

An seine Vaterstadt,

Und stets gedenkend seiner Lieb,

Die er geschworen hat,

Zieht jeden Morgen er am Haus

Der Theueren vorüber,

Und ruft in stiller Wehmuth aus

Vergessend alle Sorgen:

Tausend guten Morgen!

In Ewigkeit! Du treuer Mann,

Aus wahrem Liebesgrund!

Erwidert der Begegner dann,

Dem seine Liebe kund.

Der Jüngling fort des Weges geht,

Und kehret Abends wieder,

Wo abermals am Haus's er steht

Sich an dem Gruße labend:

Tausend guten Abend!

In Ewigkeit! Der fromme Gruß

Aus reinem Herzen steigt,

Das ist der Liebe Genius,

Der sich zur Milde neigt.

Der Jüngling immer weiter zieht,

Zur Nachtzeit kehrt er wieder,

Die Stirne heiß, das Herz ihm glüht,

Bis er den Gruß gebracht:

Tausend gute Nacht!