Lied
J. Lang
Wenn der Sterne goldner Schimmer
Und des Mondes Silberlicht
Sich mit zitterndem Geflimmer
Auf den klaren Fluthen bricht.
Wenn die linden Frühlingslüfte
Kosen mit dem Blüthenstrauch,
Und uns seine Balsamdüfte
Dann umweh'n wie Liebeshauch!
Tausend goldne Würmchen gaukeln
Durch die Luft wie Feenreigen,
Bunte Schmetterlinge schaukeln
Sich auf duft'gen Rosenzweigen.
Wenn die sanfte Philomele
Singt von Liebesschmerz und Glück,
Und dann Echo's weiche Kehle
Haucht das süße Lied zurück!
Hoch entzückt scheint noch zu lauschen
Die entschlummerte Natur
Und des Silberbaches Rauschen
Stört die heil'ge Stille nur --
Alle Wesen die da leben,
Sich ergeh'n mit froher Lust,
Aber schwere Seufzer heben
Immer doch die wunde Brust!
Lieder, Düfte, Sterne Schimmer
Bringt der junge Lenz zurück,
Armes Herz, bringt er denn nimmer
Dir auch das verlor'ne Glück?