Lied an den Maÿ

J. Lang

Tanzt dem schönen Mai entgegen,

Der, in seiner Herrlichkeit

Wiederkehrend, Reiz und Segen

Über Thal und Hügel streut!

Seine Macht verjüngt und gattet

Alles, was der grüne Wald,

Was der zarte Halm beschattet,

Und die laue Wog' umwallt.

Tanz, o Jüngling, tanz, o Schöne,

Die des Maien Hauch verschönt!

Menget Lieder ins Getöne,

Das sic die Morgenglocke tönt.

Ins Gesäusel junger Blätter,

Und der holden Nachtigall

Liebejauchzendes Geschmetter;

Und erweckt den Wiederhall!

[Flieht der Stadt umwölkte Zinnen!

Hier, wo Mai und Lieb' euch ruft,

Athmet, schöne Städterinnen,

Athmet frische Maienluft!

Irrt mit euren Sonnenhütchen

Auf die Frühlingsflur hinaus,

Singt ein fröhlich Maienliedchen,

Pflücket, einen Busenstrauß!]

Schmückt mit Kirschenblütenzweigen

Euch den grünen Sonnenhut,

Schürzt das Röckchen, tanzet Reigen,

Wie die Schäferjugend thut!

Bienen sumsen um die Blüte,

Und der Westwind schwärmt sich matt,

Schwärmt und haucht auf eure Hüte

Manches weiße Blütenblatt.