Mein Plätzchen

J. Lang

Ich weiß nun ein Plätzchen, so heimlich und kühl!

Das lockt mich mit Freundlichkeit an,

Das gibt mir, wohlthätig der Freuden so viel!

Da bin ich, so oft ich nur kann.

Hier schränken die Buchen zum schattigen Dach

Die Zweige, gewölbt über mir.

Der Sänger des Lenzes, am Abend noch wach,

Klagt nirgend so zärtlich wie hier.

Die Auen durchschlängelt der silberne Fluß,

Der sanft in dem Bette sich wiegt;

Das Dörfchen gewähret dem Auge Genuß,

Das ruhig im Thale dort liegt.

Wie schön hier den Gipfel des Berges bekränzt

Die Burg, die so herrlich sich zeigt;

Am herrlichsten, wenn sie in Feuergold glänzt,

Und Phöbus zum Meere sich neigt.

Die Kräuter der Wiesen, die Blüthen im Hain

Verstreuen erquickenden Duft;

Kommt Zephyr und schmeichelt bei dämmerndem Schein

Des Hespers die schlummernde Luft.

Da sitz ich verloren in glücklicher Ruh,

Der Unmuth zerfließt dann, wie Schaum!

Das Götterkind Phantasus schleicht sich hinzu,

Und schwatzt mich in seligen Traum.

Da bin ich so fröhlich! so glücklich und groß!

Da schaff' ich mir dann meine Welt!

Und streife die drückende Kette mir los,

An welcher das Schicksal mich hält.

Ihr habt ja der Gärten, der Haine so viel!

Ihr Großen, ihr Reichen! o sagt,

Habt ihr auch ein Plätzchen, so heimlich, so kühl!

Das euch, wie mir meines, behagt?