Neues deutsches Krieg-Lied
J. Lang
Es regt sich im Kyffhäuser
Es ist die rechte Art.
Spielt gar ein eigenes Lüftchen
Dem Alten in seinem Bart.
Er streicht ihn mit den Händen,
Besinnt sich und erwacht.
"Mich dünkt, ich hab' geschlafen
Gar eine lange Nacht".
Es dämmert eben der Morgen,
Da kommt der Alte herfür.
"Sieh doch! Es ist gekommen
Mein Volk vor meine Tür!
Die Franken, die Schwaben, die Sachsen -
Was zähl' ich sie alle her?
Sind Alles meine Deutschen!
Und fehlt mir keiner mehr?"
Grüß dich vor Allen, o Baden!
Bist du schon wieder voran?
Bleib' immer dem deutschen Reiche
Sein wackrer Flügelmann!
Und sieh! der Wirth am Berge
Hat auch frisch ausgeschaut
Und lieber seinem Volke,
Als Linden und Blinden vertraut.
Grüß Euch! Nassauer und Hessen!
Man sieht: den feurigen Wein
Kocht nicht vergebens die Sonne
Am Rhein und Neckar und Main.
Doch - Hessen! Wo sind eure Brüder?
Noch wallt dort kein siegreich Panier.
Die Großmuth liegt leider im Grabe,
Und lebet nur auf dem Papier.
Dort und im Lande der Welfen,
Da sagt man zum Sturme: sei still!
O Thoren! Ein Volk ist kein Blinder,
Wenn's öffnen die Augen nur will.
Das Lied, das so mächtig jetzt selber
Am Fuß des Johannisbergs schallt,
Glaubt ihr, daß minder gewaltig,
Wenn's sein muß, aus Flinten es knallt?
Zier' dich nicht, zierliches Sachsen!
Einst giengst du den Deutschen voran.
Da hießest du weise und standhaft,
Und bebtest vor keinerlei Bann.
Dein Kluger selber, dein Moritz,
Hat redlich die Schuld noch bezahlt.
Dein Weimarer Held ist gestorben
Weil Deutschland Alles ihm galt.
Die alte Hansa wieder
Zieht auf ihre Flaggen am Mast.
O Preußen ergreif das Kleinod,
Das schon in den Händen du hast!
Willkommen denn doppelt, o Baiern,
Das über den Berg nicht mehr schielt!
Gedenkst du der Zeit, da ein Ludwig
Das Scepter so kaiserlich hielt?
Wie hast du die deutsche Ehre
So wacker gewaschen rein!
Nun führe die edlen Verbannten
Rasch in dein Walhalla hinein!
Und gieb der Donau den Gruß mit
An Oestreich und seinen Aar!
Ruf ihm: Erwach, o erwache!
Laß eilig dir stechen den Staar!
O Kinder! Mir wallt's in den Adern,
Und was ich da drunten geträumt,
Schon seh ich's lebendig gestaltet,
Wie habt ihr so lange gesäumt?
Es dämmert der Morgen: nun schaart euch
All' brüderlich um mich gesellt!
Es freu' sich die Sonne, die steigend
Ein einiges Deutschland erhellt!"