Noch einmal fühl' ich jugendliches Leben

J. Lang

Noch einmal fühl' ich jugendliches Leben,

Noch einmal will die Seele sich erheben,

Empor, empor auf dichterischen Schwingen,

Dir, Holdeste, ein würdig Lied zu singen.

Entflohen sind der Minne holde Zeiten,

Verklungen längst der Liebe sanfte Saiten;

Schwillt auch ein Herz vom Schönen und vom Reinen,

Wird es erdrückt im Schlechten und Gemeinen.

Doch von dem Himmel blinken reine Sterne,

So freundlich her aus azurblauer Ferne,

Und einen Engel, voll von frischem Leben,

Seh' ich hinauf nach jenem Reiche streben.

Voll froher Wonne steh' ich vor dem Bilde,

Wie glänzt sein Blick -- so ernst und doch so milde,

Wie lieblich fließt das Wort von ihrem Munde,

Minerva schuf mit Venus hier im Bunde.

Hoch schlägt mein Herz in fröhlichem Entzücken,

O Muse, laß' mein kühnes Lied mir glücken,

Und kann ich auch den Lorbeer nicht erwerben,

So laß mich doch zu ihren Füßen sterben.