Nur keinen Abschied

J. Lang

Nur keinen Abschied meine Lieben!

Noch einen Blick und Druck der Hand!

Das Beste ist uns doch geblieben,

Der Glaube an Ein Heimathland,

An eine Nähe unsrer Geister,

An ein Verständniß klar und tief,

An Einen Herrn und Einen Meister,

Der liebend uns zusammenrief.

Es eilt das Schiff mit Adlersflügeln

Hinab mit uns des Lebens Strom,

Vorbei an Schlössern, Städten, Hügeln,

Vorbei an manchem hohen Dom,

Vorbei an mancher lichten Blume,

An manchem Stein der Herrlichkeit,

An trauter Stätte Heiligthume,

An manchem Grab und manchem Leid.

Hier stößt ein Nachen von dem Strande

Und legt mit neuen Pilgern an,

Schnell weben sich der Freundschaft Bande;

Doch alte Freunde nimmt der Kahn:

Ein ewig kommen, ewig Gehen,

Ein Wechsel voller Lust und Leid,

Ein Lebewohl auf Wiedersehen,

Ein Lebewohl auf Ewigkeit;

Doch wie der Sonne letzte Strahlen,

Wenn sie sich neigt am Himmelszelt,

Am herrlichsten und schönsten malen

Die wundervolle Gotteswelt,

So leuchtet in den letzten Blicken

Die Lieb am mächtigsten empor

Trotz allen irdischen Geschicken

Und öffnet uns des Himmels Thor.