O wärst du da

J. Lang

"Die Sonne kam im reinsten Glanze,

Ach, wie ich's nur mit halben Auge sah!

Nach Dir Geliebter schmerzlich schweift das ganze!

O wärst Du da!

Wie hold der Morgenwind erzählet!

Die Vögel dort am Brunnen singen mir;

Sie rufen mir: Was ist's noch, das Dir fehlet?–

O wärst Du hier!

Ich bin so froh. Die Zeit der Wonne,

Da Du auf ewig mein wirst, kommt schon nah.

O stieg' sie schon, des Tages Zaubersonne!

O wärst schon da!

So irr' ich nun in sel'gen Träumen,

Und, was ich thue, thu' ich einzig Dir.

Du bist's, Du webst um mich in allen Räumen,

Bist tief in mir!

Und doch will ich Dir's nicht verhehlen:

Bis ich Dich hör' und seh lebendig nah

Und küssen kann, wird mir doch Alles fehlen,–

O wärst Du da!"