Ruhe

J. Lang

Was sind des Lebens Freuden?

Ein Quell geheimer Leiden,

Ein ewiger Verlust.

Kein Glück ist uns beschieden,

Nie trinken wir den Frieden

An unsrer Mutterbrust.

Die Hoffnung winkt den Thoren,

Zum Leid sind wir geboren,

Das ist des Menschen Loos.

Was hold bescheert der Morgen,

Hüllt schon voll bitt'rer Sorgen

Die Nacht in ihren Schoos.

So fliehen Tage, Stunden,

Von Gram und Schmerz umwunden

Hinab in's Zeitenmeer,

Bis wir zuletzt entschweben

Zur Ruh' in's beß're Leben,

Zum schöneren Verkehr.

Dort in der stillen Kammer

Entflieht das Leid, der Jammer,

Das Grab ist taub und still.

Dort fließen keine Thränen,

Dort stillt sich alles Sehnen,

Dort ist der Leiden Ziel.