Serenade eines Eifersüchtigen
J. Lang
Schläfst Du, mein Liebchen?
Morpheus senke sanfte Ruhe nieder
Auf die geschlossenen Augenlieder sic!
Ich breite die Arme zum Sternenzelt:
Schläfst Du, mein Mädchen, so schläft ja die Welt.
Doch der Mond ist so bleich, scheint so betrübt;
Ich eifre, glaube, daß selbst er Dich liebt,
Die Sternchen sind blaß, blinken so todt:
Tröstende Blässe, die Liebe ist roth!
Schläfst Du schon, Liebchen?
Süße Träume mögen Dich umgaukeln,
In frohe Paradieses-Wonne schaukeln.
Ich richte die Blicke zum Sternenzelt:
Schläfst Du, mein Mädchen, so schläft ja die Welt.
Doch was seh' ich! Sich färben am Aether
Der Wolken luftige Räume röther,
Es sehnt sich nach Dir das himmlische Reich:
Tröstende Röthe, die Sehnsucht ist bleich!
Schläfst Du schon, Liebchen? --
Der neue Tag juble Dir entgegen,
Bringe Dir der Treue reichsten Segen!
Ich sende Gebete zum Sternenzelt:
Schläfst Du, mein Mädchen, so schläft ja die Welt;
Doch der blasse Geselle wirft seinen Schein
Gerade zu Dir ins Fenster hinein,
Schläfst Du gewiß? -- Ruhe in Frieden!
Tröstender Schlaf, Himmel hienieden!