Sommerfahrt
J. Lang
Blase mein Postillon,
Schmettre den hellsten Ton,
Schüttle, du Rossepaar,
Muthig dein Mähnenhaar!
Führt mich im Sonnenschein
Lustig ins Land hinein;
Grüße dich, Sommerfeld,
Offene Gotteswelt!
Grüße dich, Blumenau,
Blinkend im Morgenthau,
Nickendes Gräserheer,
Wallendes Halmenmeer!
Grüße dich, blühst du schon?
Brennender Ackermohn!
Blaue Cyan' im Korn,
Röslein am Hagedorn!
Grüße dich, Schmetterling,
Gaukelnd im Blumenring;
Vöglein im Lindenast,
Fröhlicher Sommergast!
Grüße dich, Himmelshöh';
Segel im blauen See,
Silberne Wolke dort,
Nähmst du mich mit an Bord!
Säuselnder Morgenwind,
Streifst mir das Haar so lind,
Raunest mir leis ins Ohr
Liebliche Märchen vor;
Märchen, wie Flur und Feld
Offene Tafel hält,
Leben und Wonnedrang
Alle den Sommer lang!
Märchen der Kinderzeit, --
Ach wie so weit so weit! --
Da ich durch Feld und Flur
Glücklicher Knabe fuhr.
Märchen der Jugend, ach!
Werden im Winde wach,
Froher Studentensang,
Der durch die Wälder klang!
Märchen vom fremden Land
Hinter der Waldeswand;
Dort wo die Berge blaun,
Soll ich noch Wunder schaun.
Auf denn, im Sonnenschein
Fröhlich ins Land hinein!
Muthig durch Thal und Höh'n,
Leben, bist doch noch schön!