Über Wildemann, einem Bergstädtchen am Harz

J. Lang

Die Winde sausen

Am Tannenhang,

Die Quellen brausen

Das Thal entlang;

Ich wandr' in Eile

Durch Wald und Schnee,

Wohl manche Meile

Von Höh zu Höh.

Und will das Leben

Im freien Thal

Sich auch schon heben

Zum Sonnenstrahl;

Ich muß vorüber

Mit wildem Sinn

Und blicke lieber

Zum Winter hin.

Auf grünen Haiden,

Auf bunten Au'n,

Müßt' ich mein Leiden

Nur immer schaun,

Daß selbst am Steine

Das Leben sprießt,

Und ach! nur Eine

Ihr Herz verschließt.

O Liebe, Liebe,

O Mayenhauch!

Du drängst die Triebe

Aus Baum und Strauch;

Die Vögel singen

Auf grünen Höhn;

Die Quellen springen

Bei deinem Wehn!

Mich läßt du schweifen

Im dunklen Wahn

Durch Windespfeifen

Auf rauher Bahn.

O Frühlingsschimmer,

O Blüthenschein,

Soll ich denn nimmer

Mich dein erfreun?