Zu Tod möcht ich mich lieben

J. Lang

"Liebster Freund, und kann's denn sein,

Wächst noch immer diese Liebe?

Längst war ihr das Herz zu klein,

Quillt noch stets von neuem Triebe!

Tag für Tag und Nacht für Nacht

Füllt sich's fort aus ew'gen Quellen

Und das Herze weint und lacht,

Kann sich gar nicht mehr verstellen.

Süße Krankheit, himmlisch Leid!

Und so mag's die Welt denn wissen!

Der mich liebt, ist ach, so weit,

Und das Herz ist mir zerrissen.

Aber dann im Traum der Nacht,

O wie sind wir da beisammen,--

Süßer, als ich's je gedacht,--

Und sie tödten nicht die Flammen?

Ja, nur zu! Ich zage nicht

Dies allein ist mir geblieben,

Küss' mich, bis dies Herz zerbricht!

O, zu Tod möcht' ich mich lieben!"