Belinde
J. Lauer
Alexis weidet stets allein
Im Busch am Felsenbach,
Und eilet in den tiefsten Hain,
Folgt ihm ein Schäfer nach.
Dort rührt ihn nicht der Sänger Lied,
Verschlossen ist sein Ohr;
Dort seufzt er, daß Belind' ihn flieht,
Den Espenbäumen vor.
Glaubt er weil ihm mein Auge nicht
Was ich empfinde klagt,
Ich wäre kalt und fühlte nicht,
Hätt' ihm mein Herz versagt?
O mein Alexis! wüßtest du,
Was hier im Busen schlägt!
Wer mir in Nächten ohne Ruh
So manchen Traum erregt!
Sagt' ihm, ihr Bäum' am Wasserfall,
Daß ihn Belinde liebt.
Vertrau es ihm, o Nachtigall!
Daß ihn sein Mädchen liebt.
Doch sagt ihm ja nicht, wessen Mund
Euch diese Botschaft lieh;
Vor Scham verging' ich, würd' es kund,
Vor Scham säh' ich ihn nie.