Im Winter
J. Lauer
Nimm, Freundin, dieses Kränzchen
Von Wintergrün,
Ich konnt' kein Veilchen finden;
Auch dies ist schön.
Noch alles deckt der Winter
Mit seinem Schnee,
Und unter ihm liegt schlafend
Noch tief der Klee.
Das Veilchen -- das du foderst --
Ich fand es nicht,
Sieh', wie die Hand mir starret;
Du glaubst es nicht?
Geschäftig kratzt ich jedes
Schneeflöckchen mir
Vom Büschgen auf, doch keines,
Ach! fand ich dir.
Gram war im Blick -- ich wollte
Leer zu dir hin,
Doch sah ich noch im Gehen
Dies Wintergrün.
Mitleidig sah's mich gehen,
Und stäubte sich
Empor, schien mir zu sagen:
"Komm, pflücke mich.
"Bin ich dir denn nicht lieber
Als Veilchen, he!
Ich grün im Lenz, im Sommer,
Und unterm Schnee.
"Bin ich nicht deiner Liebe
Getreues Bild?
Lass immer deine Veilchen
Noch eingehüllt."
Ich brach's, und wand voll Liebe
Dies Kränzchen dir.
Und sieh'! Wie hüpft's dir fröhlich
Am Arme hier.
Schenk ihm dein süßes Lächeln,
So treu, wie ich,
Wird es dir immer grünen,
Und lieben dich.
Kommt dann der Lenz, so pflück' ich
Viel Veilchen dir,
Steck' sie in deine Locke,
Küß' dich dafür.