Wegwart

J. Malling

Ich steh' am Weg und warte

Im blassen, blauen Kleid,

Indes ich hofft' und harrte,

Verging die Sommerzeit,

Und immer, immer kommt er nicht,

Der Liebste der mich sucht und bricht,

Ich steh' am Weg und warte

Im blassen, blauen Kleid.

Ich bin kein feines Fräle,

Kein zart Vergißmeinnicht,

Nach mir fragt keine Seele,

Mir huldigt kein Gedicht,

Ich bin nur eine arme Magd,

Die viel verträgt und wenig klagt,

Ich bin kein feines Fräle,

Kein zart' Vergißmeinnicht.

Ich blühe nicht im Garten

Und nicht im grünen Hain,

Am Wege muß ich warten,

Am dürren Ackerrain,

Gebückt am Boden wankt mein Haupt,

Vom Wind gezaust, vom Weg bestaubt,

Ich blühe nicht im Garten

Und nicht im grünen Hain.

Mein Röcklein ist zerrissen

Mir armem Heidekind,

Zerrissen und zerschlissen

Vom Regen und vom Wind.

Schon ziehn die Wolken rau und grau,

Doch blickt mein Ang' noch himmelblau,

Mein Röcklein ist zerrissen

Vom Regen und vom Wind.

Ich steh' am Weg und warte

In stiller Lieb' und Treu,

Ich hoffte und ich harrte

Und spüre keine Reu,

Und ob im Herbst ich sterben mnß,

Im Winter gar verderben muß:

Ich steh' am Weg und warte

In stiller Lieb' und Treu.