Herbstchor an Pan
J. Marx
Willst du es nicht glauben,
daß noch Sonnenreich auf Erden ist?
Seele! Seele!
Mitten in den reifen Trauben?
Unter reifen Trauben?
Und horchst du nicht in's Land hinein,
sie knarren und stampfen und pressen Wein.
La la la...
Frist haben wir, nur mehr Frist.
Du: Deine Tage zähle!
Der große Flurgott, trunken und schwer,
raunte sich schaurig in Schlaf,
bis heute ein Tag, hochlodernd und hehr,
seine Träume mit Lichtstrahlen traf.
Es fuhr ein Wind von Südwesten daher,
da brannte der Wald wie ein Abendmeer
und Leben und Werden
ist wieder auf Erden;
es spielen die flitternden Birken voll Gold,
es kichert der Bach, der die Kiesel rollt:
Erring' es dir, Seele,
und deine Tage zähle!
Ah!
Grämlich dahinter
dehnt sich der große Pan
und weil ihm noch vom Reife fror:
“Ist noch nicht Winter?
Windräder sprechen empor?”
Nein, du müder Flurgott; nein!
Es brach noch einmal das Glück herein
und Tage voll köstlichem Sonnenschein
wie Angst um Liebe, die treulos wird sein,
festhaltende, bebende
Angst um das Lebende!
Eilfertig prasseln die Windräder auf,
La la la...
Dann rieselt im goldnen Flitterlauf
von dem blauen, blauen Himmel
das flüchtige Blattgewimmel.
So tanzen, noch neckend, die Elfen zur Ruh'.
Zur Ruh'... Und du?... Zur Ruh!
O großer Pan, was soll noch werden
mit all' dem Trug dieser Erden?
Frieren wird alles und alles wird Stein.
Kehr in dich! Kehr ein!
Und laß des Sommers Übermut
und diese Tage voll Sorge und Gut
und des Winters strafende Stille
und des Frühlings ahnende Fülle
ein Einklang sein!