Am Strand

J. Müller-Hermann

Es läuft die Welle hin

zum weißen Strand;

seltsame Kunde trägt

sie mit ans Land

von Wiegen und Wogen

in Welten weit,

von Träumen und Sehnen

vergangener Zeit.

Sie sprüht hernieder

kristall'nes Schäumen

und kühlt die Glieder

nach heißen Träumen.

Über glatten

Kiesel und Sand

glänzt's wie Silber,

gaukeln Schatten,

tönt ein Laut,

den sie gebracht

aus fernem Land

seit gestern Nacht.

Worte der Liebe

hat sie erlauscht,

die dürstenden, jungen

Herzen berauscht.

Nun bäumt sie sich wilder,

zerbrandet am Stein;

da glitzert's wie Perlen

im Abendrotschein.

Verstummt die Weise

in nächtlichem Schweigen,

nur Murmeln noch leise

und zärtlich Neigen.