Das Glück und die Art zu beten

J. Naumann

Wenn ich vor meinen Schöpfer trete,

Und hier, in Heilger Einsamkeit,

Zu ihm aus voller Seele bete:

Was fühl' ich dann für Seligkeit!

Ganz werd' ich Geist, und alles flieht,

Was mich zur Erde niederzieht.

O, dann entbehr' ich gern der Freuden,

Durch die, in ihrer Flitterpracht,

Die Menschen, die sich drum beneiden,

Die Welt zu ihren Sklaven macht;

Und fühle: Gott gefällig seyn,

Das, das ist wahre Freud' allein.

Ja, dann entweichen alle Sorgen;

Leicht wird das Leiden, das mich drückt;

Ich weiß es, nichts ist dem verborgen,

Der in des Herzens Tiefen blickt.

Kein blindes Schicksal leitet mich,

Deß freue meine Seele sich.

Auch giebt Gebet uns Kraft im Leiden,

Erhöht zur Tugend unsern Geist,

Und hilft uns alles, alles meiden.

Was uns der Tugend sonst entreißt;

Nur müssen unsre Bitten rein,

Und eines Christen würdig seyn.