Menschenfreude

J. Naumann

Wir wollen unser Lebenlang

Uns süßen Freuden weihen!

Der Wiesenduft, der Waldgesang

Soll immer uns erfreuen!

Uns grünen Saaten, Trift und Hain,

Uns rauschen Wasserfälle,

Uns malt des Himmels Wiederschein

So Veilchenblau die Quelle.

Aus Blumenkelchen lächelt uns

Der süße Blick der Freude!

Uns reift der Baum, der Weinstock uns,

Uns hüpft das Lamm der Weide!

Es danket unser frohe Blick

Dem Gott, der uns ins Leben

Gerufen, und so manches Glück

Aus Vaterhuld gegeben!

Mit dem Gefühle wallt die Bahn,

Der weisen Freud' ihr Brüder!

Liebt jeden gutern frommen Mann,

Bleibt ohne Wanken bieder,

Und eilt dem Armen, den ihr seht,

Wer er auch sey, entgegen,

Und reichet ihm, eh' er noch fleht,

Reicht ihm von eurem Segen!

Denn selig ist's, ein Mensch zu seyn,

Und sich an Menschen schließen,

Vom Hunger Dürftige befreyn,

Und Bruder Leid versüßen;

Und wenn an guten Thaten reich,

Wir unser Ziel erreichen,

Mit Ruh, der reifen Ähre gleich,

Das Haupt zur Erde neigen.