Wechselliebe
J. Naumann
Wer hegt das heilige Gefühl,
Das ewig unsre Brust durchlodert;
Wer nährt das süße Flammenspiel,
Das ewig neue Nahrung fordert?
Es hegt und nähret sich allein
Die Liebe braucht nicht Huth und Pflege.
Das Flämmchen spielt von selbst so rein,
Von selbst so ewig jung und rege.
Wer fordert, was er geben kann,
Darf nicht umsonst nach Freude wandern:
Ein Flämmchen facht ein andres an,
Ein Herz erwärmt sich an dem andern.
Die Liebe nimmt und gibt zugleich;
Sie gebe selber gern das Leben.
Sie ist so wunder - wunderreich,
Und wird nur reicher noch durch Geben.
Wenn solcher Segen darauf ruht,
Wer wollte nicht zu geben eilen?
O Herzen, spendet Gut um Gut,
O eilet, euer Glück zu theilen!