Das letzte Lied an Sephine
J. Netzer
Als noch dein Auge strahlte,
die Wange dir geglüht,
da sprachst du, milde lächelnd:
&Sing mir das letzte Lied!§
Dein Auge ist geschlossen,
das meine tränenfeucht,
und deine kluge Stirne
hat dir der Tod gebleicht.
Der Herbst, er nahm die besten,
die schönsten Früchte mit!
Vom Leben bis zum Grabe -
es ist ein kleiner Schritt.
Und sollen wir dich nimmer,
du Teu're, wiederseh'n,
wir, die wir hier so traurig
an deinem Grabe steh'n?
Wir sind ja alle Pilger,
durch einen Wunsch verwandt,
und reichen uns am Ziele
getröstet einst die Hand.
Nimm hin die Schmerzensgrüße,
von mir das letzte Lied;
es sei die kleinste Blume,
die dir am Grabe blüht!