Der arme Maler

J. Netzer

Es war ein armer Maler

gar fleissig früh und spät,

die Kunst, die er sich wählte,

ihn herzlich freuen tät!

War ihm ein Bild gelungen,

und wenn's auch noch so klein,

zog still in seinem Busen

der lichte Himmel ein.

Da brach in Kriegeswettern

herein des Unglücks Macht,

der Maler musste kämpfen

in wild entbrannter Schlacht.

Und mitten im Gedränge

traf ihn ein Säbel scharf,

der seine fleiss'ge Rechte

zur Erde blutig warf.

D'rob seufzt' er tief und weinte,

wie hart ist mein Verlust.

Er soll der Kunst entsagen,

dahin war seine Lust.

Nun steht allein der Maler,

allein mit seinem Gram,

flieht trauernd und verstummet

der Menschen Aug' voll Scham.

Er malte noch so gerne,

das ist ja Gott bekannt,

doch ach! wie kann er malen

mit abgehau'ner Hand?