Der Papagey
J. Netzer
Mein Liebchen, schön und treu,
hat einen Papagey,
den nennt sie stets "mon cher",
und liebt ihn, ach! recht sehr,
sie nimmt ihn auf den Arm,
und küsst ihn erst recht warm,
und drückt ihn dann voll Lust
an ihre runde Brust.
O Papagey, o Papagey,
dir blüht des Lebens schönster Mai!
Er sitzt auf ihrem Schoß,
o neidenswertes Los,
empfängt aus ihrer Hand
Biscuit und Zuckerkand;
Sie streichet ihm ganz fein
Die bunten Federlein,
und legt auf seinen Schopf
den blonden Lockenkopf.
O Papagey, o Papagey,
dir blüht des Lebens schönster Mai!
Und geht das dumme Tier
Bisweilen fort von ihr,
so winkt sie ihm geschwind,
und spricht, mein Engelskind:
"Komm her, komm her zu mir,
ich plaud're gern mit dir";
sie sagt ihm dann aus Spaß
bald jenes und bald das.
O Papagey, o Papagey,
dir blüht des Lebens schönster Mai!
Sein Käfig fein und nett
steht dicht an ihrem Bett;
der Freiheit nicht beraubt,
ist Vieles ihm erlaubt;
wenn Morgens er erwacht,
so schleicht er still und sacht
aus seines Käfigs Zaun
zur schönsten aller Frau'n.
Ihm blüht des Lebens schönster Mai,
wär' ich doch der Papagey!