Lied eines Armen
J. Netzer
Ich habe nichts mehr als den Sonnenschein,
Den kann mir Niemand nehmen, der ist mein.
Den hat kein Pächter in Beding und Pacht,
Kein Bajonet steht vor ihm Schilderwacht,
Kein Mäkler kauft ihn fort mir von den Mund,
Den sperrt kein Säckler in der Truhe Grund.
Zwar wenig ist's, und meines Rockes Lüken,
Die kann ich nicht mit Sonnenscheine flicken;
Kein Dach mir bau'n daraus, und statt an Brod,
Mich sätt'gen nicht an Früh- und Abendrot.
Doch bald wär' auch dis Letzte mir verloren,
Wagt' ich die Frag': Wozu bin ich geboren?
Nein, eingepfercht in finster kalten Mauern
Will ich, daß ich gefragt so, nicht betrauern!
Nein, nein! Viel lieber will ich hier verkümmern
Auf diesem Schutt, auf diesen Mauertrümmern!
Und sterben frei im warmen Sonnenschein,
Den soll mir Niemand nehmen -- der ist mein!