Schneebilder

J. Netzer

Es spielen dort die Knaben

Und jauchzen in dem Schnee,

Sie kneten große Ballen

Sie schleudernd in die Höh'.

Doch drüben an dem Walde

Ein einsam Hüttchen steht;

Das hat im bösen Sturme

Der tiefe Schnee verweht.

Der Mann mit Weib und Kindern

Liegt dort zu Tod erstarrt;

Sein treuer Hund noch heulend

Am Eingang ängstlich scharrt.

Hier klingen Silberschellen;

Mit Federn rund bekränzt

Die Pferde hoch sich bäumen;

Des Schlittens Pracht erglänzt:

Darin ein holdes Pärchen

Mit Windeseile fliegt,

Das auf den Tigerfellen

Behaglich warm sich wiegt.

Auf frisch verschneytem Wege

Der müde Wandrer weilt,

Die Spuren sind verschwunden,

Die Nacht hat ihn ereilt.

Es glänzen Bart und Haare

Wie Silberzacken weiß,

Es bläst der Sturm ihn nieder,

Sein Herz erstarrt zu Eis.

Du gleichest wohl der Liebe

Du wunderlicher Schnee!

Hier schaffst du Glück und Freude,

Dort Schmerz und Todesweh!