Stimmen der Sehnsucht

J. Netzer

Ich sah sie schweben im Abendroth,

Gewebt aus Strahlen und Duft!

Bald aber, im nahenden Sonnentod,

Zerrann auch ihr Bild in der Luft.

Es schwieg wie gestorben der dunkle Hain --

Ich stand mit meiner Sehnsucht allein!

Ich sah sie leuchten im Wetterschein,

Gezeichnet scharf in die Luft!

Die Berge sogen die Wolken ein,

Die Welt schwamm in Licht und Duft;

Der Himmel schloß lachend ihr Bild mir ein --

Ich stand mit meiner Sehnsucht allein!

Ich sah sie schweben auf stillem Meer,

Der

Fata morgana

gleich;

Sie gleitete auf den Wellen her,

Das Herz wurde voll und weich.

Ich faßte träumend den luftigen Schein --

Und blieb mit meiner Sehnsucht allein.