Unser Ziel

J. Netzer

Es fliegen die Stunden, wer holet sie ein,

und trüg' ihn des Adlers Gefieder?

Wir schauen erstaunt in den Sturm hinein,

und denken: Wann kehren sie wieder?

Doch keine kehrt wieder, sie fluten hinab

in ein nimmer sich öffnendes Grab.

Es tanzet der Frühling durch seinen Mai

voll Jubel und fröhlicher Lieder,

nicht ahnt er die Kürze, mit Jünglingstreu'

stimmt er in den Sang froher Brüder.

Bald führt in die lockende Liebe hinan, hinan

auf des Geschickes umstürmte Bahn.

Noch lacht ihm so hold die gestirnte Nacht

Bei schmetternden Nachtigallklängen,

sie wecken dir süße Gefühle mit Macht,

die Fluten zum Herzen sich drängen;

bald flieht, ach! der schöne Traum so weit,

und mit ihm die süße, die gold'ne Zeit.

Doch was uns die Not des Lebens nicht raubt,

ist der Hoffnung siegender Schimmer,

ein ahnendes Herz, das an Edleres glaubt,

erschüttern nicht irdische Trümmer,

drum richtet den Blick zu den Sternen hinauf,

hinauf geht unser Vollendungslauf!