Todtengräberhochzeit

J. Pembaur

Hei, was tönt so eigen?

Klarinett und Geigen

mitten in der Nacht,

wo die Toten ruhen

in den dunklen Truhen,

um das Häuschen an dem Friedhof,

bei der Sterne Wacht?

Lustiges Gefiedel

schallt die ganze Nacht.

Klarinett und Geigen --

hei, wer tanzt den Reigen

bei der Sterne Wacht?

Wie das klingt und sauset,

wie das walzt und brauset,

in dein Häuschen an dem Friedhof

mitten in der Nacht:

Totengräberhochzeit

wird da heut gemacht.

Geigenklang und Flöten,

lustige Trompeten

klingen drein so laut!

Heißa, laßt sie ruhen

draußen in den Truhen

um das Häuschen an dem Friedhof,

mondesglanzumgraut!

Drinnen tanzt im Reigen

Bräutigam und Braut.

Mitternacht! -- Die Toten

stehen auf in Rotten,

viele tausend schier!

klappern, schwirren, lärmen,

möchten da sich wärmen.

Bis zum Häuschen an dem Friedhof

treten sie herfür,

gucken durch die Fenster,

tanzen um die Tür.

»Wundersüsses Leben!«

seufzen sie im Schweben,

»wie so frisch, so rot!«

Schwingen sich im Kreise,

singen ihre Weise,

Todes Fackel, Hymens Fackel

ineinanderloht.

Drinnen tollt das Leben,

draußen tanzt der Tod.

Beide sich im Kreise

bald nach einer Weise

schwingen in der Nacht. --

Jetzt die Toten ruhen,

mit durchtanzten Schuhen

aus dem Häuschen an dem Friedhof

zieht der Reigen sacht.

Auf den Gräbern funkelt

Morgentau voll Pracht.