Die Hirtin
J. Raff
O Sommerabend, wie so hold
schwebst du ins Land hinein,
ganz eingehüllt in Sonnengold
gleich einem Heil'genschein.
Ave Maria tönt von fern
das Glöcklein übers Feld,
und droben flammt der Abendstern
schon auf am Himmelszelt.
Ave Maria! Dies Gebet
traf sonst uns beide hier;
heut' weilest du so lang',
was hält dich fern von mir?
Ave Maria! Mich ergreift
der Sehnsucht herbe Qual.
Geliebter, sieh, schon kömmt die Nacht,
Wann kömmst auch du einmal?
Was hör' ich? Lass das Klagen sein,
mein Herz, schlag froh und frei;
hörst du den wohlbekannten Klang,
das Lied auf der Schalmei?
Es naht der Liebste! Alles Weh
schwand aus dem Busen schnell.
Durch Abenddämm'rung hin zu ihm,
Lieb' macht das Dunkel hell!