Jägerlied

J. Raff

Was blitzt in den Büschen so hell, was schallt

In dem grünen Gehege so munter?

Was zieht hervor aus dem dunkelen Wald

Und fern von den Bergen herunter?

Wir sind die Jäger, wir ziehn von Haus

Und wollen zum Feind in das Feld hinaus,

Zum Krieg,

Zum Sieg

Und zum Siegesschmaus.

Von dem lustigen Harzwald kommen wir her,

Wo nach Gold und nach Silber sie graben.

Uns frommet das Gold und das Silber nicht mehr,

Nur die Freiheit wollen wir haben.

Drum liessen wir Andern den thörichten Wahn

Uns haben mit Eisen uns angethan;

Nur das Schwert

Hat Werth

Auf der bluthigen Bahn.

Schön ist's zu lieben, zu trinken schön,

Schön ist's zu schlummern im Grünen,

Doch frölicher ist's, in der Schlacht zu stehn

Und sich Beut' und Kranz zu verdienen;

Hell lodert wie Liebe des Kampfes Gluth,

Und wo Viele schlummern, da schlaft sich's gut,

Und es trinkt,

Wer sinkt,

Sey's Wein, sey's Blut.

Oft haben wir wohl in der dunkeln Nacht

Bei Stürmen und Regenschauern

Hoch auf dem Fels und in Schluchten gewacht,

Um das streifende Wild zu belauern.

Jetzt ziehen wir muthig im Sonnenlicht

Und sehen dem Feind in das Angesicht,

Sey's Jagd,

Sey's Schlacht,

Uns kümmert's nicht.

Mag fliehen der Feige durch Wald und Feld,

Wenn die stärkere Zahl ihn bestreitet;

Wo das Bild uns in Schaaren entgegenprellt,

Da wird was Rechtes erbeutet.

Und wenn auch unzählig der Feind uns droht,

Uns blitzt aus den Händen der sichere Tod;

Ein Knall

Ein Fall,

Das ist Jägergebot.

Drum haltet zusammen und stehet fest,

Der Eine den Andern zu decken!

Wenn nur vom Freunde der Freund nicht lässt,

Kann wenig der Feind uns erschrecken.

Doch steht dein Nam' auf den tödtlichen Blei,

So fliegt dir auch nimmer die Kugel vorbei;

Vom Freund,

Vom Feind,

Es ist einerlei.

Denn der grösste Jägersmann ist der Tod,

Der will an der Luft nur sich laben;

Wohl fährt er mit Bluthe die Haiden roth,

Doch die Beute lässt er den Raben.

Und er saust und braust mit Sturmes Gewalt

Hoch über die Berg' und über den Wald;

Und es bebt,

Was lebt,

Wenn sein Jagdhorn schallt.

Doch was frommt's, vor dem mächtigen Jäger zu fliehn,

Der nimmer vorübergeschossen?

Viel rühmlicher ist es uns, mitzuziehn,

Dem Starken als starke Genossen.

Und wenn er auf uns auch den Bogen spannt,

Wer kühn ihm das Angesicht zegewandt,

Der fällt

Als Held

Von des Helden Hand.