AusErwin und Elmire

J. Reichardt

Mit vollen Athemzügen

Saug' ich, Natur, aus Dir

Ein schmerzliches Vergnügen.

Wie lebt,

Wie bebt,

Wie strebt

Das Herz in mir!

Freundlich begleiten

Mich Lüftlein gelinde.

Flohene Freuden

Ach, säuseln in Winde,

Fassen die bebende,

Strebende Brust.

Himmlische Zeiten!

Ach, wie so geschwinde

Dämmert und blicket

Und schwindet die Luft!

Du lachst mir, angenehmes Thal,

Und Du, o reine Himmelssonne,

Erfüllst seit langer Zeit zum ersten Mal

Mein Herz mit süßer Frühlingswonne.

Weh mir! Ach, sonst war meine Seele rein,

Genoß so friedlich Deinen Segen.

Verbirg Dich, Sonne, meiner Pein!

Verwildre Dich, Natur, und stürme mir entgegen!

Die Winde sausen,

Die Ströme brausen,

Die Blätter rascheln

Dürr ab ins Thal.

Auf steiler Höhe,

Auf nackten Felsen

Lieg' ich und flehe.

Auf öden Wegen,

Durch Sturm und Regen,

Fühl' ich und flieh' ich

Und suche die Qual.

Wie glücklich, daß in meinem Herzen

Sich wieder neue Hoffnung regt!

O, wende, Liebe, diese Schmerzen,

Die meine Seele kaum erträgt!