Die Spinnerin

J. Reichardt

Als ich still und ruhig spann,

Ohne nur zu stocken,

Trat ein schöner junger Mann

Nahe mir zum Rocken.

Lobte, was zu loben war,

Sollte das was schaden?

Mein dem Flachse gleiches Haar,

Und den gleichen Faden.

Ruhig war er nicht dabei

Ließ es nicht beim Alten;

Und der Faden riß entzwey,

Den ich lang' erhalten.

Und des Flachses Stein-Gewicht

Gab noch viele Zahlen;

Aber, ach ich konnte nicht

Mehr mit ihnen prahlen.

Als ich sie zum Weber trug

Fühlt' ich was sich regen,

Und mein armes Herze schlug

Mit geschwindern Schlägen.

Nun, beim heißen Sonnenstich,

Bring' ich's auf die Bleiche,

Und mit Mühe bück' ich mich

Nach dem nächsten Teiche.

Was ich in dem Kämmerlein

Still und fein gesponnen,

Kommt - wie kann es anders seyn? -

Endlich an die Sonnen.