Freude der Kinderjahre

J. Reichardt

Freude! die im frühen Lenze

Meinem Haupte Blumen wand,

Sieh! im Schmucke deiner Kränze

Wall' ich noch an deiner Hand.

Selbst der Kindheit Knospen blühen

Meinem Geiste noch einmahl,

Und im Abendschimmer glühen

Sie mir all' im Morgenstrahl.

Du gabst mir zum Angebinde,

Holde, deinen frohen Sinn,

Lächeltest mir schon als Kinde

Bliebst des Manns Begleiterinn.

Dich fand ich in stillen Spielen,

Dich in muntrer Knaben Reih'n,

Auf der Flur dich, dich am kühlen

Klaren Quell im Blüthenhain.

Stürmte mit beeisten Locken

Auch der Winter wild daher:

O in seinen Silberflocken

Sah ich nur der Spiele mehr!

Du, du lieh'st mir deine Flügel

Auf des Eises Spiegelbahn,

Schwebtest, wann vom glatten Hügel

Rasch mein Schlitten flog, voran.

Trübten dann mich auch wohl Sorgen:

Kindersorgen sind nur leicht,

Und hinweg am andern Morgen

Waren sie von dir gescheucht;

Alle Blumen glänzten wieder,

Hauchten süßern Duft um mich.

Und sank dann die Nacht hernieder,

Sah' ich noch im Traume dich.

Selig flohen Tag' und Jahre

So an deiner Hand mir hin!

Bleicht der Herbst auch meine Haare:

Doch bleibt mir dein heitrer Sinn.

Kommt mein Winter: dann auch finde

Sich dein Freund geliebt von dir.

Über meiner Urne winde

In Cypressen Rosen mir!