Rettung
J. Reichardt
Mein Mädchen ward mir ungetreu,
Das machte mich zum Freudenhasser;
Da lief ich an ein fließend Wasser,
Das Wasser lief vor mir vorbei.
Da stand ich nun, verzweiflend, stumm;
Im Kopfe war mirs wie betrunken,
Fast wär' ich in den Strom gesunken,
Es ging die Welt mit mir herum.
Auf einmal hört ich was, das rief -
Ich wandte just dahin den Rücken -
Es war ein Stimmchen zum Entzücken:
"Nimm dich in acht! Der Fluß ist tief."
Da lief mir was durchs ganze Blut,
Ich seh, so ist's ein liebes Mädchen;
Ich frage sie: Wie heißt du? "Käthchen!"
O schönes Käthchen! Du bist gut.
Du hältst vom Tode mich zurück,
Auf immer dank ich dir mein Leben;
Allein das heißt mir wenig geben,
Nun sei auch meines Lebens Glück!
Und dann klagt ich ihr meine Not,
Sie schlug die Augen lieblich nieder;
Ich küßte sie und sie mich wieder,
Und - vor der Hand nichts mehr vom Tod.