O traute, traute Stelle
J. Rosenmund
O traute, traute Stelle,
Seitab von jeder Bahn!
Wie blickt der Waldteich helle
Mich durch die Wildniß an!
Wie flüstern die alten Eichen,
Die ihn umkränzen, von Ruh,
Und die Wasserrosen, die bleichen,
Wie lächeln sie hold mir zu!
Und am Ufer die morsche Hütte,
Bedeckt von blühendem Moos,
Sie winkt mir: Komm' und schütte
Hier Alles in Gottes Schooß!
Und der einsame Vogel droben,
Der singt aus dem Wipfel herab,
Wie mahnt er mich, Gott zu loben
Für Alles, was er mir gab!
Und die flinke Libelle dorten,
Und der Falter mit leisem Flug,
Sie sagen mir's: Allerorten
Gibt's noch des Schönen genug!
Und jenseits die sammtne Wiese,
Sie winkt mir: Wohl nirgends blühn
So lichte Blumen wie diese
Hier im verborgenen Grün!
Und durch der Tannen Lücke
O sieh die duftigen Höhn,
Wie reden von einstigem Glücke
Sie mir so hehr und schön!
Und wo der Forst hier offen,
Da blaut tief unten ein See,
Und lehrt mich gläubig hoffen
Auf Frieden nach allem Weh.
O Dank dir, traute Stelle,
Nein, ich vergeß' es nie,
Wie Alles wunderhelle
Mir ward verklärt allhie!
Und muß den Schritt ich lenken
Nun fort von dir, mein Teich,
Will in der Welt ich denken
Oft an dein Zauberreich.