Drang in die Ferne

J. Rufinatscha

Vater, du glaubst es nicht,

Wie's mir zum Herzen spricht,

Wenn ich die Wolken seh',

Oder am Strome steh',

Wolkengold, Wellengrün

Ziehen so leicht dahin,

Weilen im Sonnenlicht,

Aber bei Blumen nicht.

Zögern und rasten nie,

Eilen als wüßten sie

Ferne und ungekannt

Irgend ein schön'res Land.

Ach! von Gewölk und Fluth

Hat auch mein wildes Blut

Heimlich geerbt den Drang,

Stürmet die Welt entlang!

Vaterlands Felsenthal

Wird mir zu eng, zu schmal;

Denn meiner Sehnsucht Traum

Findet darin nicht Raum.

Laßt mich! ich muss, ich muss

Fordern den Scheidekuss.

Vater und Mutter mein,

Müsset nicht böse seyn:

Hab' euch ja herzlich lieb,

Aber ein wilder Trieb

Jagt mich waldein waldaus,

Weit von dem Vaterhaus.

Sorgt nicht durch welches Land

Einsam mein Weg sich wand,

Monden- und Sternenschein

Leuchtet auch dort hinein.

Überall wölbt's Gefild'

Sich den azurnen Schild,

Den um die ganze Welt

Schirmend der Schöpfer hält.

Ach und wenn nimmermehr

Ich zu euch wiederkehr',

Lieben, so denkt er fand

Glücklich das schön're Land.